Kreisverkehrt

oder Wie man eine Kreuzung möglichst unfallträchtig gestaltet

Erfreuliche Neuigkeiten Mitte März 2003: Diese Seiten haben sich überlebt! Sämtliche radwegbezogenen Verkehrszeichen sind entfernt. Leider bislang (Stand 20.03.) kommentar- und begründungslos von Seiten des Amtes, aber besser so als gar nicht. Die Kreisel-Website bleibt aber bis auf weiteres online.

***

Im Kreis Stormarn (südliches Schleswig-Holstein) leidet die Gemeinde Siek seit Jahren darunter, dass ihre Hauptstraße als Zubringer vieler Nachbarorte zur Autobahn A1 fungiert. Deshalb entsteht seit Sommer 2002 eine Umgehungsstraße, die zugleich ein neues Industriegebiet erschließt und die A1-Anschlussstelle Ahrensburg mit der Verbindungsstraße Hoisdorf—Siek verknüpft. Die neue Kreuzung an der Landstraße, dem Hoisdorfer Weg, wird als Kreisverkehr realisiert.

So weit, so gut. Skeptisch wurde ich, als man begann, das „Innenleben“ des Kreisverkehrs etwa einen bis zwei Meter hoch aufzuschütten, so dass — wenn überhaupt — nur noch Sattelschlepper-Piloten beim Annähern an den Kreisel den Gegenverkehr sehen können. [1] Der etwas später entstandene Zwei-Richtungs-Radwegstummel, der Radler aus Siek Richtung Hoisdorf dazu zwingt, drei Mal praktisch ungesichert die Straße zu überqueren, statt einfach und sicher geradeaus durch den Kreisel zu fahren, veranlasste mich dann, die zuständige Behörde auf die Missstände aufmerksam zu machen — die Dokumentation des Briefwechsels ist hier zu lesen und wird jeweils aktualisiert.

Amüsant in diesem Kontext ist übrigens, dass sich manche Hoisdorfer, kaum ist der Autobahnzubringer freigegeben, bemüßigt fühlen, sich über zunehmenden Autoverkehr auf ihrem Gemeindegebiet zu echauffieren, weil die Verlängerung der Umgehungsstraße Richtung Großensee/Trittau noch nicht fertig gestellt ist. Und das, nachdem sich Hoisdorfer auf dem Weg zur Autobahn jahrelang und in viel größerer Zahl durch das vergleichsweise enge Siek gedrängt haben … willkommen in Norddeutschland, wo der Horizont doch eigentlich weiter als bis zum eigenen Vorgarten reichen sollte :-)

Der Ort des Geschehens, wie er sich präsentiert, wenn man mit dem Rad von Siek nach Hoisdorf fährt; die Bilder entstanden am 2. Dezember (rote Pfeile habe ich in der EBV zugefügt). Ein Klick auf das jeweilige Bild öffnet eine größere Ansicht (je ca. 600x400px, 45~80 kB).

Sicht auf den Kreisverkehr von Siek in Richtung Hoisdorf. Man könnte als Radfahrer ziemlich risikoarm durch den Kreisel geradeaus weiterfahren, gäbe es da nicht diesen benutzungspflichtigen Radweg linker Hand …
 
Wenn ich hier mit dem Kinderanhänger gleich wieder scharf rechts auf den Radweg biege, kann ich nur hoffen, dass kein Gegenverkehr kommt. Der unnötige Höhenversatz am Übergang von Asphalt zu Pflastersteinbelag ist für einen Neubau auch extrem ärgerlich.
 
Der einzige Platz im Kreiselbereich, an dem man sowohl was sieht als auch gesehen werden kann. Die vielen unnötigen Kurven sollen vermutlich hübsch sein. Nach links geht’s zur Autobahn, hier ist also, sobald sich die Existenz des neuen Zubringers herumspricht, mit reichlich Verkehr zu rechnen.
 
Immerhin ist auf der Straße was abmarkiert. Einen Autobahnzubringer würde man zwar lieber an einer Lichtsignalanlage mit Grün auf Anforderung queren, aber andererseits ist dies nun mal ein Kreisel. An dieser Straße, siehe Verkehrsschild, auch Fußgänger zu erwarten ist für Ortskundige übrigens eher ein Witz.
 
Das Ende mit Schrecken. Diese Doppellinie darf man nicht überfahren. Schieben wäre wohl erlaubt, aber dann wird’s noch riskanter, von der Zumutbarkeit gar nicht zu reden. Spätestens hier ist klar: Wer als Radler sein Leben liebt, ignoriert diesen Radweg.
 

[1] Worauf mich Bernd Sluka in de.rec.fahrrad aufmerksam machte: Die Aufschüttung innerhalb des Kreisverkehrs kann durchaus sinnvoll sein insofern, als Kfz bei der Annäherung das Tempo drosseln, wenn sie den Kreisverkehr nicht komplett einsehen können. Diesem Argument folge ich, wenn es nur um den reinen Kreisel geht; für Radfahrer, die den linksseitigen Radweg benutzen wollen, stellt der Hügel m.E. dennoch einen Risikofaktor dar.

 

Weitere Links zum Thema:

Bernd Sluka unterhält eine sehr umfangreiche Sammlung von Informationen und Meinungen zum Verkehrsrecht allgemein und zum Radfahren im Besonderen im Netz: http://bernd.sluka.de/

Unter http://radweg.mine.nu/ finden sich Verweise zu weiteren Bilder-Seiten, die sich kritisch mit Radwegen auseinandersetzen — the cycling horror picture show :-)

Meine eigenen Gedanken über Sinn und Unsinn von Radwegen lesen Sie hier.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20. März 2003

Anregungen, Fragen, Kritik, moralische Unterstützung :-) bitte per E-Mail

Zur Startseite von wort-und-satz.de